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Überlebensstrategien für Eltern mit Kindern in der Trotzphase

An aller erster Stelle kann ich jeder Mutter oder jedem Vater nur mit auf den Weg geben: Ihr seid nicht allein mit dieser Situation. Irgendwo auf dieser Welt gibt es Eltern, die genau dasselbe durchmachen, wie Ihr. Ich weiß, das hilft in dieser Situation in der das Kind unbedingt jetzt, und zwar genau jetzt, genau das und nichts anders will, überhaupt nicht weiter, aber wie sehr hilft es euch, wenn Ihr Situationen bei anderen Familien beobachtet, die euch selbst so ermüden? 

Wie oft ist mir schon der Gedanke „zum Glück passiert mir das gerade nicht mir“ oder „wie schön zu sehen, dass es auch anderen so ergeht, wie mir“ durch den Kopf geschossen. Gemein? Vielleicht. Aber diese Entwicklung im Leben eines Kindes findet nun einmal statt. Und deswegen geht es uns allen im Leben mit Kindern einmal so. Manche Familien erleben diese Zeit intensiver, andere weniger emotional und wieder andere, Situationen und Gegebenheiten anders. 

Jedes Kind ist anders

Das stimmt genauso. Mein erstes Kind war beinah überhaupt nicht trotzig. Wir hatten hin und wieder mal die klassische Situation an der Supermarktkasse, aber am Ende konnte ich mit viel Geduld und Beharrlichkeit meinen Standpunkt klarmachen und das Kind aus seinen wütenden Emotionen befreien. Bei meinem zweiten Kind sieht das aktuell ganz anders aus. Erstens: Sie ist viel emotionaler. Zweitens? Ich habe zwei Kinder und bin von Grund auf emotional instabiler. Vieles geht mir aufgrund manch einer hohen Belastung viel schneller auf den bekannten Nerv, als nur mit einem Kind, bei dem alles auf das Kind ausgelegt gewesen ist. Mein ganzer Alltag richtete sich nur nach ihm. Heute versuche ich zwei Kindern gleichermaßen gerecht zu werden, was nicht immer funktioniert und hin und wieder an meinen eigenen Gefühlen kratzt, aber dies ist wieder ein neues Thema. Was ich damit sagen möchte? Mein zweites Kind ist ganz anders als mein erstes und die Gegebenheiten sind es auch. Wir erleben also eine vollkommen neue Trotzphase. 

Erde bitte tu dich auf

So manches mal wünsche ich mir mit ihr, dass sich die Erde unter mir bitte auftun möge. Leider ist dies bisher noch nie geschehen. Das einzige, was geschieht ist, dass ich viele böse Blicke, Kommentare oder mitleidige Blicke ernte. Würde mir in dieser Situation einer sagen, es geht auch manchmal anderen so, würde ich sicherlich nur wehleidig lächeln.

Anderen geht es ganz genau so

Dabei ist es so. Und den letzten Trotzanfall, den ich mitbekommen habe von einer anderen Familie habe ich mir ganz genau eingeprägt. Ich habe in jenem Moment gelernt mir selbst zu sagen, du bist gut genug, so wie du bist. Du meisterst das großartig. Ich habe angefangen mich selbst zu loben. Schließt einmal die Augen. Stellt euch eine gute Freundin vor, die morgens ihr Kind in den Kindergarten bringt, mit rotem Kopf, und vollkommen gestresst auf euch wirkt. Ihr begegnet euch. Sie beginnt von ihrem stressigen Morgen zu erzählen. Was würdest du ihr in diesem Moment sagen? Würdest du sie für ihr Verhalten verurteilen oder würde sie dir leidtun? Würdest du sie in den Arm nehmen und ihr raten sich jetzt etwas Gutes zu tun?

Stell dir vor, du bist diese Freundin selbst. Sei genau so gut zu dir, wie zu deiner Freundin. Leider fällt es uns oft viel schwerer gut zu uns selbst zu sein. Dabei ist es so wichtig.

Seit ich mir selbst zugestanden habe, fühlen zu dürfen, dass das Leben mit meiner kleinen Tochter anstrengend ist und ich mich selbst auch mal loben und lieben darf, geht es uns allen im Alltag viel besser. Wieso denken wir nur immer, dass anstrengend gleichbedeutend mit etwas Schlimmen ist? Wenn ich einen Berg hinauf steige ist dies auch anstrengend. Und? Das signalisiert ja nur, dass ich mich ins Zeug lege für das Erklimmen des Berges. Wir als Familie nehmen schwierige Situationen nicht mehr ganz so streng. Zudem lache ich manchmal auch einfach oder erzähle einen Witz. Ich lache die Kinder dabei nicht aus, sondern versuche die Situation mit ein wenig Humor aufzulockern. Kinder lieben es zu lachen. Sie brauchen es förmlich, wie die Luft zum Atmen. Genau deshalb versuche ich nicht immer stundenlang blöd gelaufenen Situationen nachzuhängen. Ja, es war anstrengend. Ja, das Kind hat richtig heftig getrotzt. Aber, es ist eine Entwicklung hin zu einem eigenständigen Ich. Das ist doch großartig, oder?

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Die eigene Autonomie

Mir hat das sehr geholfen, mir immer wieder die Besonderheit dieser Anstrengungen vor Augen zu führen. Das Kind durchlebt die heftigsten Gefühle in seiner eigenen Welt, weil es plötzlich sein eigenes Ich spürt. So viel Neues, Aufregendes und Spannendes passiert in dieser Zeit. Das müssen wir doch eigentlich fördern, nicht wahr? Wir alle wünschen uns Kinder, die ein starkes Ich nach außen repräsentieren, denke ich.

Was es dafür braucht, ist eine gute Begleitung seitens der Eltern. Das führe ich mir in diesen heiklen Situationen immer wieder vor Augen. Ich versuche mein Kind so sanft und sicher durch die Phase zu begleiten, wie es in meiner eigenen Macht steht. Dabei meine ich nicht, dass ich mich hauen oder beschimpfen lasse. In diesem Fall verlasse ich auch mal die Situation bzw. bringe den Geschädigten, wenn ein Kind gehauen wird, erst einmal in Sicherheit. Ich finde, es muss nicht über Grenzen gegangen werden. Auch nicht über die eigenen.

Die eigenen Grenzen kennenlernen und vor allem anerkennen

Dies ist der letzte und vielleicht sogar wichtigste Tipp, den ich euch mit auf den Weg geben kann: die eigenen Grenzen anerkennen lernen. Was nützt es Kindern, wenn Mama oder Papa immer wieder über sich und ihre Gefühle hinweg gehen? Was lernen unsere Kinder in diesem Fall von uns? Kinder lernen durch Abschauen. Erwachsene sind ihre Vorbilder, egal ob das Verhalten gut ist oder nicht. Obwohl Kinder oftmals nicht den Eindruck erwecken, als seien sie auf uns angewiesen, ist dies nun mal so und das spüren sie, was häufig zu Frustration führt. Es führt aber nicht nur dazu, sondern auch dazu, dass sie uns als ihre Vorbilder ernst nehmen. Gehen Mama oder Papa immer über Kraftreserven hinaus, merken sich Kinder, dass Mama und Papa nicht gut für sich sorgen können. Seitdem ich also meine eigenen Grenzen kenne, geht es mir viel besser. Je klarer ich für meine Position eintrete, desto mehr spüren die Kinder, dass es hier nicht viel Raum gibt, um mit Mama zu verhandeln.

Diese eigene Stärke hilft auch in der Trotzphase, denn einen starken Berg bekommt ein Windhauch nicht so leicht umgeweht, nicht wahr?

Ihr seid der Berg. Je klarer ihr für euch seid, je fokussierter ihr eure Prinzipien vertretet, desto besser gelingt euch jeder Konflikt, der euch eventuell einmal aus der Ruhe gebracht hat.

Alles Liebe, Alina