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Mama, spielst Du mit mir? – die größte Herausforderung meines Alltags

Eine Frage, auf die ich allzu oft gerne mit einem euphorischen „Ja, natürlich“ antworten würde. Stattdessen kommt meine Antwort zögerlich, während mir durch den Kopf schwirrt, was ich eigentlich genau in diesem Moment Sinnvolleres zu tun hätte. Doch dann steht da dieser kleine Junge mit seinen großen braunen Augen. Wünscht sich nichts sehnlicher, als das ich mich mit ihm ins Kinderzimmer setze und beginne, tapfere Ritter und große Schlachten in einer imposanten Ritterburg zum Leben zu erwecken.

Die Fantasie ist da. Doch was fehlt mir? Die Freude am Spiel. Ich habe es verlernt zu spielen. Über die Jahre ist mir diese Gabe, die Hingabe für das Irreale abhandengekommen. Schnell verliere ich die Lust am Imaginären. Am Rollenspiel. Am Bauen oder Toben. Dabei habe ich genau DAS vor ein paar Jahren noch selbst abgöttisch geliebt.

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Schaue ich in die Augen meiner Kinder entdecke ich in ihnen die gleiche unbändige Freude am Spiel. Dieses Funkeln, welches ich vor ein paar Jahren noch in meinen Augen glänzen sah. Die Erinnerungen sind da. Doch seit ich Mutter bin überwiegt das Gefühl „etwas schaffen zu müssen“. Der Haushalt wartet nicht. Die Wäsche türmt sich. Der Alltag rinnt mir durch die Finger. Ich setze Prioritäten. Für den Alltag. Für mich. Eine kleine Auszeit in dem ganzen Trubel. Dabei kommt jegliche Fantasie zu kurz.

So passiert es, dass ich dort sitze, gemeinsam mit meinem Sohn in dieser viel zu kleinen Spielecke und überlege, was ich eigentlich grade tun könnte. Nach zwei Minuten fallen mir die ersten Wollmäuse auf. Nach vier Minuten fange ich an zu überlegen, was ich heute kochen könnte. Nach sechs Minuten lege ich eine CD ein. Nach 10 Minuten habe ich das Gefühl nutzlos rumzusitzen. Mein Sohn beschäftigt sich währenddessen mit allerlei Dingen, die er auf und zuschraubt, rein- und raus-hämmert und sie mir letztendlich zum Bestaunen vorlegt. Toll, wie er das macht, wie er sich beschäftigt mit all den Dingen.

Schmerzhaft wird mir bewusst, dass ich es verlernt habe zu spielen. Ich kann keine Zeit lang ruhig verweilen, um einfach mal den Dingen beim Nichtstun seinen Lauf zu lassen. Es ist schwieriger, als ich es je annahm. Ich für meinen Teil kann einige Sekunden und auch länger auf der Couch sitzen und ruhen. Aber was tue ich in der Zeit? Genau, ich denke nach. Über all die schönen Dinge, die noch zu erledigen sind, die Dinge die noch zu tun wären, wenn ich jetzt aufstehe… und, und, und. Einfach so da zu sitzen, ohne auch nur einen kleinen Moment an andere Dingen zu denken, die noch zu tun wären und einfach mal das Leben vorbei fließen zu lassen? Ich kann das nicht.

Ich ertappte mich im Alltag dabei, wie ich zwischendurch zu kleinen Dingen greife, um sie nebenbei zu erledigen. Ist es der kleine Wäscheberg, der noch zu falten ist, die eine Mail, die eben noch zu beantworten ist – egal, irgendwas tue ich immer. Warum fällt es uns nur so schwer abzuschalten? Ich muss unbedingt  lernen, das Spielen zu genießen. Ich muss wieder lernen, mich mit den kleinsten Dingen im Leben zufrieden zu stellen. Und Freude daran entwickeln, eine Eisenbahn 60 mal in der selben Variante um den Kreis fahren zu lassen, ohne darauf zu warten, das Gefühl zu erlangen, dass sie nun doch auf eine andere Weise ihre Kreise zieht, als die etlichen Male davor. Im besten Falle habe ich Spaß daran ohne Special Effects, nur daran, die Eisenbahn um den Kreis fahren zu sehen. So wie sie von der Industrie geschaffen wurde. Oder am besten noch: Ich fahre sie selbst, während mein Mund lauter Töne ausspuckt, die sich verdächtig nach einem echten Güterzug anhören.

Ich möchte, dass mein kleiner Mann nie verlernt, wie es sich anfühlt zu spielen oder vergisst, wie schön es ist, gedankenverloren in der Ecke zu sitzen und seine Bilderbücher rauf und runter zu blättern. Ohne die Hoffnung, die Buchstaben würden sich in nur einer winzigen Art verändern, so dass das Buch eine neue Dramaturgie entwickelt.

Ich dachte immer, dass ich im Herzen ein Kind geblieben wäre, vor allem, weil sich meine Träume nie anfühlten wie die eines Erwachsenen. Leider stelle ich fest, dass ich irgendwo auf meinem Lebensweg von diesem wunderschönen Weg abgekommen bin.

Wir haben irgendwo auf unserem Weg verlernt zu ruhen. Wir sind auf der Flucht und am meisten auf der Flucht vor uns selbst.

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