Die erste Zeit mit Baby – über zarte Nerven und wunderschöne Momente!

Als ich vor etwas mehr als einem Jahr erfuhr, dass ich schwanger bin, freute ich mich von Kopf bis Fuß bis in die kleinste, hinterste Zelle meines Körpers über diese wundervolle Nachricht. Mein Freund und ich verstanden uns blendend. Die Arbeit lief so nebenher. Kein schlechter Zeitpunkt, um ein Jahr zu pausieren. Und auch sonst, alles schien zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben perfekt zu passen.

40 Wochen Schwangerschaft

Die 40 Wochen meiner Schwangerschaft verliefen wie im Flug. Ich genoss jede Minute. Ging zur geburtsvorbereitenden Akkupunktur. Ließ Schwangeren-Yoga meine Knochen dehnen, während ich meinen Körper in einzigartige Gewänder exklusiver Marken hüllte. Kurz: Es war DIE Schwangerschaft, die sich jede Frau wünscht. Ohne Komplikationen, frei von Sorgen. Es gab NUR dieses Baby und mich.

Am Tag, als das Baby auf die Welt kam, hielt ich nach 20 Stunden Strapazen das bezauberndste Wesen Gottes geweihter Erde in meinen erschöpften Armen. Endlich war sie da. Unsere Tochter. Ein Menschenkind, das mit seinem ganz besonderen Geruch die Welt zum Anhalten zwingt.

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Die erste Zeit mit Baby

Es war unsere Zeit. Ich genoss sie. Jede Minute inhalierte ich ihren Geruch bis in die hintersten Flimmerhärchen meiner Nase. Sie schien vollkommen zu sein. Ihr Wesen. Diese unverkennbare Ruhe, die mit einem Neugeborenen zu Hause einzieht.

Dinge, die dir keiner erzählt

Mit der Zeit wuchs nicht nur die Liebe im Hause Mini und Mama, auch die Wäsche begann sich in alle Himmelsrichtungen zu türmen. Des Öfteren blieb für Mama das Mittagessen aus, da mir schlichtweg die Kraft zum Kochen fehlte. Unruhige Nächte tauschten gegen unvergessliche Stillmomente in behaglicher Zweisamkeit. Unsere Harmonie kämpfte plötzlich gegen die lähmende Müdigkeit, die mich in die Knie zwang.

So schön auch der Duft des Babys war, so sehr begann ich mich nach Schlaf zu sehnen. Und nach ein bisschen Ordnung und einer riesigen Portion deftiger Hausmannskost, die meinen Energievorrat wieder aufpäppeln würde.

Ich spürte plötzlich, dass mich auf all das kein Mensch vorbereitet hatte. Bemerkte, dass ich die Zeit, in der das Baby schlief, nicht für große Aktionen nutzen konnte, sondern lediglich, um einmal am Tag in Ruhe auf’s Klo zu gehen. Nach 30 Minuten fand die herrliche Stille schnell ein Ende. Mein Baby gehört nicht – wie anscheinend 99% der anderen Babys – zu denen, die den ganzen Tag schlafen. Unsere Schlafenszeit beschränkte sich auf ein paar kleine dreißigminütige Nickerchen, die überall mal kurz als eine Art Power Napping eingelegt wurden, um anschließend voller Tatendrang auf’s Leben zuzustürmen.

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Hunger, Durst, Müdigkeit

Statt einer Schulter zum Anlehnen bekam ich gut gemeinte Ratschläge: „Der Haushalt kann warten.“, „Das musst Du nun nicht jetzt alles machen.“, „Schlafe, wenn das Baby schläft.“… Ich stimmte zu. Natürlich kann der Haushalt warten… bis er zu leben beginnt.

Während meine Nerven pro gut gemeintem Ratschlag immer dünner wurden, begann ich an meinen eigenen Erwartungen zu zerbrechen. Ich wollte es perfekt machen. Wollte mein Baby nie schreien lassen. Ihm alles geben. Alleinunterhalter plus perfekte Hausfrau sein, schließlich bekommen andere das auch hin.

Die anderen Mütter

Um mich herum hüpften nur entspannte Mamis, die mir im Singsang die Welt erklärten: „Wenn Mama entspannt ist, ist es das Baby auch.“ oder „Die Zeit mit Baby ist die schönste meines Lebens. Eigentlich schläft sie nur. Sie könnte ruhig ein bisschen öfter wach sein und mich mit ihren süßen Augen anschauen. Findest du nicht auch, dass es die schönste Zeit unseres Lebens ist, Schatz?“.

Während in diesem Moment das eigene Baby laut schmatzend, nie schlafend auf dem eigenen Arm – die schmerzenden Muskeln vom Tragen strapaziert – liegt, spürt man plötzlich diese nicht vorhandene seelische Balance, die diesen Müttern ohne Rücksicht auf Verluste an den Kragen möchte. Bevor es dazu kommt, ist es auch schon wieder so weit: Das Baby hat Hunger.

Vom Dauertragen zum Dauerstillen

Nach einer halben Stunde Pause ist das Baby schon wieder bereit für’s Dessert. Während ich meinen gestressten Gedanken nachhänge, geschieht das Unerwartete: Das Baby schenkt mir auf dem Weg zur Nahrungsquelle ein Lächeln, das mich bis in’s Mark erfreut. Ein Lächeln, das jede anstrengende Erinnerung von jetzt auf gleich auslöscht. Ein Moment, in dem ich jedem, der fragt, antworten würde: „Mein Baby ist das pflegeleichteste Baby auf der ganzen Welt. Es ist die schönste Zeit meines Lebens!“ Es entschädigt für alles und noch viel mehr.

Während ich so dahin schmelze und meinem schmatzenden Baby bei der Nahrungsaufnahme zuschaue, spüre ich die unendliche Liebe einer Mutter, die mich wieder daran erinnert, Haushalt Haushalt sein zu lassen und mich hier und heute einzig und allein auf dieses Wesen zu konzentrieren.

Hier und Heute

Dieses Wunderkind, das mich braucht. Ein Baby, das nichts anderes als Geborgenheit benötigt. Eine trockene Windel. Eine gehörige Portion Fürsorge. Einen vollen Magen und Verständnis. Dafür, dass es noch keine Sprache besitzt, um sich und seine Bedürfnisse mitzuteilen.

So intensiv diese Zeit auch ist, so sehr sie an die Substanz geht, sie geht vorbei. Es werden wieder Tage kommen, in denen wir festtagsähnliche Menüs auf den Mittagstisch zaubern können. Tage, an denen der Haushalt aussieht, als hätten wir nie etwas anderes gemacht als gewischt, gesaugt und gewienert.

Die erste Zeit mit Baby, sie geht vorbei. Was du auch hörst, liest oder in Erfahrung bringst. Fakt ist: auf diese Zeit bereitet dich keiner vor. Alles, was du als Mutter besitzt, ist dein Bauchgefühl. Vertraue ihm.

Mein Mantra, welches ich rauf und runter bete, bevor der Moment kommt, in dem ich mich wie ein hilfloses kleines Äffchen an meinen Partner klammere.

Auch er weiß: “Es geht vorbei.“ Und dann werden wir schlafen, schlafen, während wir unsere zarten Erinnerungen an uns vorüberziehen lassen und diese uns suggerieren, es hätte in unserem Leben nie eine schönere Zeit gegeben als diese … die erste Zeit mit Baby im Arm.

Und dann sind wir bereit … fürs nächste. Weil ein Kind eben DOCH das schönste im Leben ist!

Eure Alina